© 2019 by Torben Maiwald | Imprint

HOMELAND

In my music, I search beauty. That where we feel at home. What is deeply familiar to us. I am looking for the joy that creates everything, including grief. My music should bring consolation and strength, hope and confidence, and lead back to this inner place of home.

 

This is the short version of what I want to say. Now in more detail ...

 

I distinguish three types of music. The first one stirs up. It paints the darkest chasms of life and the human soul. On some occasions, it fits and gives strength. I find such music fascinating, but in the deepest sense, it does not satisfy me.

 

Then there is music that indicates a way out in the midst of all chasms. Yet the one experiencing it sees that way out only from a distance. He cannot go through. After all, a light shines through, because the gate is open. I find such music even more rewarding.

 

Finally, there is music that points to a way out, which is actually being walked through. Or the music is like an exclusive way out. That is, I would have to put it paradoxically: Where everything is “way out”, there is no need for a way out. Everything is always salvation. But there is nothing to save me from. Such music touches me a lot.

 

By the way, one can notice very clearly how seriously a composer means that way out. The whole spectrum between ironic ridicule, quiet retreat at the last moment and a full-hearted entry into the realm of peace and beauty can be found.

 

There are plenty of ups and downs in life! Why should all of this be reflected in music? Life gives us plenty of it! Yet:

 

For once, I find it coherent to be musically picked up in my agitation. The music then leads me gently to the gate to the homeland.

 

On the other hand, it is more effective if, as an agitated one, I am tasting the highly endowed antidote – the pure beauty of music. Then, when I am allowed to enter this land on my own, which I know so inwardly, but that has become foreign to me in the meantime.

 

I mean this country with “home”. Music that raises us, whatever its nature, leads us into a foreign and yet deeply familiar land. Homeland. You could also call it differently: Eternity, Consciousness, Love, Source, God. Once you start talking about it, it becomes misleading. Actually, we would not need to talk about it because this land is not describable – and because we all know it so well. In that sense, it would be pointless describing it to each other.

 

Every person is close to some kind of music. It is his personal way back home. There are no universal ways. Beauty is the means that leads me home.

 

In meiner Musik suche ich die Schönheit. Das, wo wir uns zuhause fühlen. Was uns im Innersten vertraut ist. Ich suche die Freude, aus der alles, auch die Trauer, gemacht ist. Meine Musik soll Trost und Kraft bringen, Hoffnung und Zuversicht, und an diesen inneren Ort der Heimat zurückführen.

 

Das ist die Kurzversion dessen, was ich sagen will. Nun etwas ausführlicher ...

 

Ich unterscheide drei Arten von Musik. Die erste wühlt auf. Sie malt düsterste Abgründe des Lebens und der menschlichen Seele nach. Zu manchen Gelegenheiten passt sie und gibt Kraft. Solche Musik finde ich oft faszinierend, aber im tiefsten Grunde befriedigt sie mich nicht.

 

Dann gibt es eine Musik, die inmitten der Abgründe auf einen Ausweg deutet. Aber der Erlebende sieht ihn nur aus der Ferne. Er kann nicht hindurchschreiten. Immerhin scheint ein Licht hindurch, weil das Tor geöffnet ist. Solche Musik finde ich schon lohnender.

 

Schließlich gibt es Musik, die auf einen Ausweg deutet, welcher auch wirklich durchschritten wird. Oder die Musik ist wie ein einziger Ausweg. Das heißt, ich müsste es paradox formulieren: Wo alles Ausweg ist, braucht es keinen Ausweg. Alles ist immer Erlösung. Aber es gibt nichts, von dem ich erlöst werden müsste. Solche Musik berührt mich sehr.

 

Übrigens kann man sehr genau merken, wie ernst ein Komponist es mit dem Ausweg meint. Es gibt da die ganze Bandbreite zwischen ironischem Spott, leisem Zurückweichen im letzten Moment und einem vollherzigen Eintreten in das Gebiet des Friedens und der Schönheit.

 

Aufwühlendes und Abgründe gibt es im Leben reichlich! Warum sollte sich all das in der Musik widerspiegeln? Das Leben gibt uns doch schon reichlich davon! Dennoch:

 

Das eine Mal empfinde ich es als stimmig, in meinem Aufgewühltsein musikalisch abgeholt zu werden. Die Musik führt mich dann sachte dem Tor zur Heimat zu.

 

Das andere Mal ist es wirksamer, wenn ich, als Aufgewühlter, gleich das hochdotierte Gegenmittel koste – die reine Schönheit der Musik. Dann, wenn ich eigenständig dieses Land betreten darf, das ich so inwendig kenne, aber das mir zwischenzeitlich fremd geworden ist.

 

Dieses Land meine ich mit „Heimat“. Musik, die uns erhebt, gleich welcher Art sie ist, führt uns in ein fremdes und doch tief vertrautes Land. Heimat. Man könnte es auch anders nennen: Ewigkeit, Bewusstsein, Liebe, Quelle, Gott. Sobald man beginnt darüber zu reden, wird es missverständlich. Eigentlich bräuchten wir nicht darüber zu reden, weil dieses Land nicht beschreibbar ist – und weil wir es alle so gut kennen. Insofern wäre es sinnlos, es sich gegenseitig zu beschreiben.

 

Jedem Menschen ist irgendeine Art von Musik nahe. Es ist sein persönlicher Weg zurück nach Hause. Es gibt keine allgemeingültigen Wege. Schönheit ist das Mittel, welches mich nach Hause führt.