Mein Weg durchs Leben
Mit unaufhaltbarem Schwung bewegte ich mich in jüngsten Jahren nur auf eines zu: MUSIK. Mit 3 Jahren Kinderchor, mit 4 Jahren Flötenunterricht, mit 9 Jahren Cello und mit 14 Jahren dann noch Orgel. Mit 6 Jahren begann ich, die erste Taschenpartitur zu lesen: Beethovens „Pastorale“. Ich habe die zerfledderte Ausgabe aus dem Notenschrank meiner Mutter heute noch. Mit 9 Jahren entstanden die ersten Kompositionen. Seitdem tat ich wenig anderes als Musik zu hören, zu lesen, zu spielen und zu komponieren.
Dahinter stand, wie ich später meinte, die Sehnsucht, dem Quell der Musik – und damit mir selbst – zu begegnen. Musik kann nach meinem Erleben zum Urquell überhaupt führen – zurückführen müsste ich eher sagen, denn sie entspringt im besten Fall aus ihm.
Auch die Gesetze des Musikalischen lernte ich nach und nach kennen. Neben der klassischen Musiktheorie, die ich dann auch neben der Komposition an der Musikhochschule Lübeck studierte, rückte immer mehr die Phänomenologie ins Blickfeld. Die Frage tönte in mir auf, ob die Gesetze der Musik nicht identisch sind mit denen des Lebens überhaupt?
Die Begegnung mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie mit 21 Jahren führte mich immer näher an ein klares „Ja“ auf diese Frage heran. Für mein Gefühl hatte ich meinen geistigen Urgrund gefunden. Übend, meditierend, Forschend und praktisch anwendend machte ich die Anthroposophie immer mehr zu meinem Eigentum. Aber auch eine Vielzahl anderer, vorwiegend östlicher spiritueller Wege stellte ich als Praktiker auf den Prüfstein. Ob etwas sinnvoll ist, mache ich bis heute daran fest, ob es gute Früchte trägt: Früchte, die anderen nützlich sind und das Schöne in der Welt vergrößern.
Die Ergebnisse meines Suchens habe ich immer wieder in Büchern festgehalten. Das Schreiben ist dem Komponieren ähnlich, denn in beiden Fällen sitzt man vor einem weißen Blatt und stellt dieselbe Frage: Wie anfangen, und wie weiter? Auch Vorträge und Seminare zu meinen Themen halte ich gern, auch um zu überprüfen, ob meine Gedanken für andere tauglich sind und verstanden werden.
Sieben Jahre lang lehrte ich in Sofia (Bulgarien) und Athen (Griechenland) Phänomenologie oder „Musikalisches Bewusstsein“. Dort lerne ich selbst immer mehr, die Komplexität der musikalischen Erscheinungen auf wesentliche Grundphänomene der Musik zurückzuführen - das „Spiel zwischen Licht und Finsternis“, wie Goethe sagen würde.
In diesen Jahren klang schon an, was für mich zunehmend wichtiger wurde: dass ein Bewusstsein über musikalische Phänomene gleichzeitig auch ein Bewusstsein über die Phänomene des Lebens an sich ist. Es trat hinzu die Erforschung des Bewusstseins selbst, vor allem anhand der philosophischen Schriften Rudolf Steiners, aber auch Autoren wie Georg Kühlewind, Anton Kimpfler. Rupert Spira oder Sophie Ben James Griebel.
Ein längeres berufliches Intermezzo hatte ich in den Jahren 2003 bis 2015. Da war ich Lektor für zeitgenössische Musik im Verlag Breitkopf & Härtel, wo ich vorwiegend die lebenden Komponisten betreute. Auf diese Weise habe ich die Möglichkeit erhalten, neue Musik und deren Komponisten „von der anderen Seite des Schreibtisches” kennen zu lernen. Eine ganz besondere Art von Musik- und Lebensstudium, für das ich sehr dankbar bin.
Das Leben hat mir geschenkt, Vater von 11 Kindern (leibliche + „Bonus“) zu sein. Für mich als eigentlich jemanden, der am liebsten für sich in der Stille arbeitet, eine besondere Aufgabe. Doch nach und nach dämmerte es mir: Du bist zwar am liebsten „im Himmel“ tätig. Dort bist du auch begabt, geübt und geschickt. Aber was ist mit der Erde??
Die eigentliche Hinwendung zur Erde geschah dann Anfang 2026, als ich eine Ausbildung in Spagyrik (Alchemie) bei Christoph Pollak begann. Von da an begann sich alles neu zu sortieren. Die höchsten geistigen Prinzipien mussten sich nun plötzlich im ganz Materiellen verwirklichen: in der Herstellung von Tinkturen und Essenzen. Das, was ich innerlich immer stark erlebt hatte, das war nun auf einmal klar im Außen zu sehen: in der Farbe der Tinktur, in der Glut des Feuers, in der Pflanzengestalt selbst, im Weingeist, in der weißen Asche. Innen und Außen wirken so direkt ineinander wie vielleicht sonst nur noch in der Musik. Was ich außen tue, vollziehe ich auch im Inneren. Und umgekehrt.
Eines Tages erkannte ich mit großer Freude, dass die Spagyrik mit dem gleichen Motiv wie die Musik und meinem Interesse für Bewusstsein (Anthroposophie) zusammenhängt: dass man immer etwas vorfindet und versucht, es zu verfeinern, zu veredeln, ja schöner zu machen. In der Musik: der erste Einfall. Im Bewusstsein: das, was jetzt gerade ist. In der Spagyrik: die Substanzen der Natur.
Erst bei der dritten Etappe meines Lebensweges wurde mir klar, dass mein Komponieren mich tief in die Gesetze des Lebens eingeführt hat, die Anthroposophie mich diese Gesetze tiefer hat verstehen lassen, und dass die Spagyrik alles zusammenführt und auf der Erde verankert, ohne aber den Himmel zu verlassen.