Bewusstseinsforschung
Bewusstseinsforschung
Das, was ist – alles, was jetzt gerade ist, ist das, was ist: Das, was ist. Genau das. Dieses – und nichts anderes.
Meine sinnlich wahrnehmbare Umgebung, das Spüren meines Körpers, meine Gedanken, Gefühle, Impulse ... alles, was ist, verändert sich in jedem Moment: Bewegung.
Das, was sich in all diesem nicht verändert, ist mein Bewusstsein von all diesem – es nimmt „nur“ das auf, was ist: Ruhe.
„Wenn sie euch fragen: Welches ist das Zeichen eures Vaters, das ihr in euch tragt, dann sagt: Es ist Bewegung und Ruhe.“
Thomas-Evangelium, Logion 50
Ruhe und Bewegung ist in allem Lebendigen. Zeitlos, außerhalb der Zeit, und doch – zur selben „Zeit“, gleich-zeitig“ – innerhalb der Zeit ablaufend.
Das, was ist, ist eine Einheit. Keine Sammlung von tausend Einzelheiten, die nichts miteinander zu tun haben. Alle Einzelheiten haben dadurch miteinander zu tun, dass sie im Raum meines Bewusstseins erscheinen, aufleuchten.
Mein Bewusstsein kann nichts kennen, das sich außerhalb von ihm befindet. Alles, was in ihm ist, gehört zur Einheit all dessen, was ist – was für mich in diesem Moment in mein Bewusstsein gelangt.
Mein Bewusstsein trennt – dieses von jenem. Ich kann meinen Fokus ausrichten – ihn weit oder eng stellen. Durch Trennen oder Separieren meiner Wahrnehmungen bewirke ich schon eine Veränderung dessen, was ist. Ich kann in Ruhe das anschauen, was mir begegnet.
Und das Bewusstsein kann sich selbst anschauen – es ruht dann ganz in sich selbst und braucht keine weiteren Inhalte, um „zufrieden“ zu sein.
Beide Gesten sind im praktischen Leben außerordentlich heilsam, ja (über)lebenswichtig. Ein Beispiel:
Ich ärgere mich über den lauten Rasenmäher meines Nachbarn Detlef am Sonntagmittag. Könnte er nicht achtsamer sein??
Nun vollziehe ich in mir den entscheidenden Sprung: Ich bade nicht weiter in meinem Ärger – worin ich zunehmend drohe, zu ersaufen –, sondern gehe aus ihm heraus. Stelle mich ihm gegenüber. Und schaue ihn an.
Nun ist der Ärger „vor“ mir. Wie sieht er aus? Wie fühlt er sich an? Welche Farben hat er, welche Formen? Struktur? Substanz? Bewegt er sich? Von wo und wohin?
Ich spüre: Ich bin nicht dieser Ärger selbst. In Wahrheit bin ich derjenige, der ihn beobachtet. Es kann „frische Luft“ einziehen, zwischen mich und den Ärger. Ein neuer, freier Raum. Dort kann ein neues Gefühl entstehen – neue Gedanken, neue Impulse.
Ich kann dem rasenmähenden Detlef anders gegenübertreten als sonst. Nicht aus meinem Ärger heraus, denn darauf wird er sehr wahrscheinlich genauso ärgerlich, womöglich aggressiv reagieren. Nun bin ich frei und kann ihm ruhig mitteilen, dass mich das laute Knattern in meiner Mittagsruhe stört – ob es ihm nicht möglich wäre, das Mähen auf den späten Nachmittag zu verlegen? Ein netter Plausch über den schönen Sommertag schließt sich an. Detlef fragt, ob ich nicht Lust auf eine gemeinsame Tasse Kaffee hätte, seine Frau Ilse hätte sowieso gerade frischen Pflaumenkuchen im Ofen, und ...
Mit Bewusstsein wird das Leben leichter. Schöner, klarer, intensiver – manchmal mühsamer, aber immer be-reichernd. Weil es kein erhebenderes Gefühl gibt, als frei zu sein – Mensch zu sein.
Mein eigener Weg führte durch Jahrzehnte des inneren Widerstandes gegen alles Mögliche. Gleichzeitig erforschte ich meditativ die Situationen, die Widerstände in mir auslösten, die Widerstände selbst, und das, was all dieses wahrnimmt – das Bewusstsein. Die Anthroposophie Rudolf Steiners hat mich immer zielvoller zu dem Punkt geführt, wo man nur in sich selber steht, ganz auf sich selber baut, einsam steht in sich: ICH. Hier ist der Kern nahezu aller spirituellen Ideen zu finden. Von hier aus vollzieht sich die Verwandlung der Welt.
Aus diesem entsteht für mich die Bewusstseinsalchemie. Wenige grundlegende, einfache Prinzipien – „hermetische Gesetze genannt“, die in allem Lebendigen zu finden sind, werden auf das eigene Innere angewandt: durch das eigene Bewusstsein, im eigenen Bewusstsein. Nach vielen Jahren intensiver Forschung auf diesem Gebiet hat sich ein direkt anwendbarer, praktischer Ansatz entwickelt.
Dieser geht zunächst von der Wahrnehmung dessen, was tatsächlich ist, aus. Wovon auch sonst? Es geht hier nicht um Theorien, Spekulationen oder Wünsche, sondern um einen nüchternen Umgang mit der Realität. Und die ist nun mal so, wie sie ist.
Aber ich kann sie verändern. Dazu muss ich wissen, wie das geht. Die hermetischen Gesetze der Natur stehen hinter und in allem Lebendigen. Sie können mich Verwandlung lehren. Das Alte wird klar wahrgenommen, sodann als das, was es eben ist, angenommen und schließlich verändert: hin zu einer stimmigen Ordnung.
Dies ist die grundlegende Geste der Transformation. Es gibt eine Reihe an weiteren Gesten und Gesetzen, die aber immer überschaubar und im eigenen Tun auch überprüfbar sind. Dazu einmal später mehr.